3.12.07 - Von: Ben Affleck
Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel
Ben Afflecks gelungenes Regiedebut. „Gone Baby Gone“ ist nur auf den ersten Blick ein Thriller. Eine größere Rolle als die teilweise undurchsichtige Handlung spielt die Milieuschilderung.
R: Ben Affleck
USA 2007, 114 Minuten
Ben Affleck, der neben seiner Karriere als Schauspieler bereits auch als Mit-Autor des mit dem Oscar für das beste Originaldrehbuch ausgezeichneten „Good Will Hunting“ (1997) bekannt geworden war, hat für sein Spielfilmdebüt einen Roman von Dennis Lehane ausgewählt: „Gone Baby Gone“, der im Jahre 2001 unter dem Titel „Kein Kinderspiel“ auf deutsch erschien und den „Deutschen Krimipreis“ gewann.
Die Handlung von „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ hat so viele Ähnlichkeiten mit dem Fall der in Portugal verschwundenen Madeleine McCann, dass in Großbritannien der Film auf unbestimmte Zeit verschoben wurde: Patrick Kenzie (Casey Affleck) und seine Freundin Angela Gennaro (Michelle Monaghan) arbeiten als Privatdetektive im Bostoner Arbeiterviertel Dorchester. Eines Tages werden sie beauftragt, ein verschwundenes vierjähriges Mädchen wieder zu finden. Den Auftrag erhalten sie allerdings nicht von der drogenabhängigen, verantwortungslosen Kindesmutter Helene (Amy Ryan), sondern von dessen Bruder Lionel McCready (Titus Welliver) und seiner Frau Bea (Amy Madigan). Die 4-jährige Amanda ist einfach aus dem Bett verschwunden, in dem sie schlief, bevor ihre Mutter zu einer Freundin ging. Anzeichen von Gewaltanwendung gibt es ebensowenig wie eine Lösegeldforderung. Die Medien sind bereits vor Ort, die Stimmung im Viertel ist gereizt.
Obwohl der Polizeichef Jack Doyle (Morgan Freeman) nichts von der Einmischung durch Privatdetektive hält, muss er bald den „Standortvorteil“ von Kenzie und Gennaro anerkennen. Deshalb willigt er ein, dass die beiden Detektive mit den Polizisten Remy Bressant (Ed Harris) und Nick Poole (John Ashton) zusammenarbeiten.
Die ersten Ermittlungen werfen kein gutes Licht auf Amandas Mutter Helene. Die Privatdetektive finden heraus, dass sie für einen Drogenbaron immer wieder als Kurier arbeitet, und sich an dessen Geld vergriffen hat. Diese erste Spur macht indes nur klar, dass sich der Fall viel komplizierter gestaltet als zunächst angenommen.
„Gone Baby Gone“ ist nur auf den ersten Blick ein Thriller. Eine größere Rolle als die teilweise undurchsichtige Handlung spielt die Milieuschilderung. Obwohl die Dramaturgie teilweise Längen aufweist und der Einsatz der Off-Stimme und der stimmungsvollen Musik etwas überhand nimmt, schafft Regisseur Ben Affleck eine stimmige Atmosphäre: Die grobkörnigen, halbdokumentarischen Bilder vermitteln eine authentische Stimmung des heruntergekommenen Viertels. Die Kamera von John Toll lässt die Stadt Boston zum weiteren Protagonisten werden: Immer wieder fängt er atmosphärische, in den Totalen an die Ästhetik von Google Earth angelehnte Einstellungen ein.
Der Film kreist letztlich um moralische Entscheidungen. Denn die Wahl, die Privatdetektiv Patrick Kenzie am Ende treffen muss, stellt ihn vor ein Dilemma. Der innere Konflikt manifestiert sich insbesondere in einem Dialog zwischen dem Privatdetektiv und dem Polizeichef, der die tiefgründigen Fragen von „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ offen legt.
Ben Afflecks Spielfilmdebüt erweist sich als eine psychologische Studie über menschliche Abgründe.
Gekürzte Fassung mit freundlicher Genehmigung des Verfassers José García www.textezumfilm.de
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