15.05.07 - Von: Sam Raimi

Spider-Man 3

Dramatische Wendungen vermitteln unter der Oberfläche eines verfilmten Comics dem vorwiegend jugendlichen Publikum eine überaus positive Botschaft ohne erhobenen Zeigefinger. Rasante und waghalsige Spezialeffekte sorgen für visuellen Augenschmaus.

R: Sam Raimi
USA 2007, 139 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
im Kino: 5/2007    

Die Verbindung von formeller Brillanz und inhaltlicher Charakterentwicklung, die im ersten „Spider Man“-Film nicht ganz geglückt war, erwies sich indes als die große Stärke des Drehbuchs von Alvin Sargent in „Spider Man 2“. Trotz aller Rasanz der Actionszenen lag der Schwerpunkt des zweiten Spider Man-Filmes eindeutig auf dem inneren Konflikt, mit dem Peter Parker in seinem Doppelleben fertig werden soll. Gerade dieses Hin- und Hergerissensein zwischen den hohen Aufgaben eines Helden und dem Wunsch nach Normalität macht Spider Man zu dem liebenswertesten unter den Comic-Heroen.  

Zunächst setzt der dritte Spider Man-Film dort ein, wo der zweite aufgehört hatte, bei einem glücklichen Peter Parker (Tobey Maguire), der seine Stellung als Klassenprimus am College genießt, und der seiner Freundin Mary Jane (Kirsten Dunst) einen Heiratsantrag machen will. Aber auch als „Spider Man“ erfreut er sich zunehmender Popularität.  

Erste Probleme tauchen allerdings in der Person seines alten Freundes Harvey Osborn (James Franco) auf, der Peter die Schuld am Tod seines Vaters gibt. Harry verliert aber nach einem mit berauschenden Kamerafahrten gefilmten Kampf mit Spider-Man sein Kurzzeitgedächtnis und erkennt in Peter nur noch den Freund. Es lauern freilich weitere Gefahren: Ein aus dem Weltraum gefallener Symbiont ergreift Gewalt von Peters Körper, und macht ihn zur schwarzgewandeten Spinne. Darüber hinaus bricht der Mörder seines Onkels Ben aus dem Gefängnis aus und wird in einen „Sandman“ (Thomas Haden Church) verwandelt. Aber auch im Privaten ziehen dunkle Wolken auf: Peters blonde Kommilitonin Gwen Stacy (Bryce Dallas Howard) macht dem Helden schöne Augen, worauf Peters Freundin Mary Jane eifersüchtig wird. Zu der Eifersucht kommt noch der berufliche Rückschlag hinzu: Mary Jane verliert ihre Rolle im Musical „Manhattan Memories“ und sucht Trost bei Harry.  

„Spider Man 3“ bietet also genügenden Filmstoff für die 140 Minuten Filmlänge. Dass die Spezialeffekte noch rasanter, noch waghalsiger als in den ersten zwei Filmen ausfallen, versteht sich fast von selbst. Ob es sich um 360 Grad-Kamerafahrten oder um die Flüge über den Dächern von New York oder aber um Naheinstellungen, bei denen die Texturen der verschiedenen Stoffe sichtbar werden, die Spezialeffekte kommen an die Grenze dessen, was zurzeit machbar erscheint.  

Trotz solch spektakulärer Action besitzt das von Sam und seinem Bruder Ivan Raimi sowie Alvin Sargent entwickelte Drehbuch genug Humor, genug bis an die Grenze des Schnulzigen gehende Romantik, und vor allem genug dramatische Konflikte, damit die Handlung von den fulminanten Spezialeffekten nicht erdrückt wird.  
Diese dramatischen Wendungen vermitteln unter der Oberfläche eines verfilmten Comics dem vorwiegend jugendlichen Publikum eine überaus positive Botschaft ohne erhobenen Zeigefinger. So sind die Aussagen von Peters Tante May (Rosemary Harris) über ihre Ehe genauso bemerkenswert wie über Rache und Vergebung: „An uns liegt es nicht zu entscheiden, wann jemand sterben soll. Rache verwandelt uns in etwas Hässliches“. Dazu Sam Raimi: „Beim Höhepunkt des Films muss Peter seinen Stolz beiseite räumen. Er muss sein Verlangen nach Rache unterdrücken. Er muss lernen, was Vergebung bedeutet.“  

So steht in der neuen Comic-Verfilmung nicht so sehr der Kampf gegen irgendwelche Bösewichte im Mittelpunkt, sondern die Auseinandersetzung mit den eigenen schlechten Neigungen. Denn – so das Fazit von „Spider Man 3“ – „unsere Entscheidungen machen aus uns, was wir sind. Und wir können uns immer für das Richtige entscheiden.“  

Gekürzte Fassung mit freundlicher Genehmigung des Verfassers José García www.textezumfilm.de

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