"Der Stern von Bethlehem ist ein Stern in dunkler Nacht, auch heute noch."
Diese Worte Edith Steins aus dem Text „Das Weihnachtsgeheimnis“ weisen tief hinein in die Grundspannung menschlicher Existenz: in das Ausgespanntsein des Menschen zwischen Licht und Finsternis, Frieden und Schwert, Krippe und Kreuz.
An der Krippe verdichtet sich die Präsenz des Bösen. Am Ort des Heilsgeschehens versammeln sich die Kräfte der Finsternis. In diesem kleinen Text, den Edith Stein in den Weihnachtstagen des Jahres 1930 in Beuron schrieb, klingen die großen Themen der Mystik an: die Nacht des Glaubens, der verborgene Gott,die Überantwortung des eigenen Willens, die Hingabe der ganzen Person, Menschenliebe als Maßstab der Gottesliebe, das Himmelreich mitten in uns.
“Was Heilige kennzeichnet, ist eine ausgeprägte Persönlichkeit” (Régine Pernoud). Dies trifft besonders auf die 1998 kanonisierte jüdische Philosophin und Karmelitin Edith Stein zu. Ihr Leben stand unter der Spannung von Gegensätzen, galt dem Bemühen um eine Synthese zwischen Judentum und Christentum, zwischen Philosophie und Religion, mystisch erlebtem Glauben und tätiger Nächstenliebe. Als Jüngste wuchs Edith Stein mit sechs Geschwistern in einer jüdischen Familie auf. Nach dem Tod des Vaters führte die Mutter den verschuldeten Holzhandel allein weiter und ermöglichte allen Kindern eine gute Ausbildung. Sie war eine fromme Jüdin, während ihr Lieblingskind, die eigenwillige, hochbegabte Edith, schon früh und bewußt den jüdischen Glauben aufgab und sich selbst als Atheistin bezeichnete. Nach dem Abitur gab die Mutter ihre Einwilligung für ein Studium der Geschichte und Germanistik in Breslau, das Edith 1915 mit dem Staatsexamen abschloß.
Doch ihr Interesse galt vorwiegend der Philosophie. Sie wechselte zur Universität Göttingen, um Vorlesungen über Phänomenologie bei dem berühmten Philosophen Edmund Husserl zu hören, dessen Meisterschülerin und Assistentin sie wurde. Bei ihm promovierte sie auch, doch blieb ihr als Frau die Habilitation und damit die wissenschaftliche Laufbahn verwehrt. Diese bittere Erfahrung trug dazu bei, daß sie sich für Frauenrechte einsetzte. Von 1922 bis 1933 arbeitete sie als Lehrerin und Dozentin. Mit FreundInnen diskutierte sie, machte auch gern Wanderungen mit ihnen, doch gab sie wenig von sich preis; sie galt als verschlossen.
Ihre leidenschaftliche Suche nach Wahrheit führte sie auch zu Religionsfragen, auf die sie schließlich im Christentum endgültige Antwort fand. Die Werke von Thomas von Aquin und Teresa von Avila faszinerten und beeinflußten sie, so daß sie sich 1922 zur Taufe entschloß, zum großen Kummer ihrer Mutter. Von da an war es ihr sehnlicher Wunsch, in den strengen Orden des Karmel aufgenommen zu werden, den sie sich zunächst aus Rücksicht auf die Mutter versagte und weil geistliche Berater sie zu weiterer wissenschaftlicher Arbeit verpflichteten. Ab 1933, dem Jahr der NS-Machtergreifung, durfte sie nicht mehr veröffentlichen; auch ihre Tätigkeit als Dozentin wurde verboten. Nun schien ihr die Zeit gekommen, nur noch ihrem Glauben zu leben und als Ordensfrau in den Kölner Karmel einzutreten. 1935 legte sie die ersten Gelübde ab und empfing den selbstgewählten Namen Teresia Benedicta a Cruce. Ihre Familie war entsetzt und fühlte sich verraten in dieser Zeit der Verfolgung und Vernichtung. In Wahrheit hatte Edith nie aufgehört, sich dem jüdischen Volk zugehörig zu fühlen. Sie versuchte – vergeblich – den Papst zu einer Enzyklika gegen die Judenverfolgung zu bewegen. Als ihr Aufenthalt zu einer Gefährdung des Kölner Klosters wurde, flüchtete sie in den Echter Karmel in Holland. Auch dort war sie ihres Lebens nicht mehr sicher. Nachdem tapfere holländische Bischöfe einen Hirtenbrief gegen die Verfolgung der Juden von den Kanzeln hatten verlesen lassen, wurde sie mit vielen anderen holländischen JüdInnen von der Gestapo verhaftet, nach Auschwitz verschleppt und in der Gaskammer ermordet. Bis zuletzt stand sie ihren verzweifelten Mitgefangenen bei. Ihren gelassen erwarteten Tod nannte sie selbst ein Sühnopfer für ihr Volk. (zitiert aus www.fembio.org) |
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