Die Unglaublichen
Nun muss Mr. Incredible gegen den Berufsverkehr statt gegen Einbrecher und sonstige Bösewichter kämpfen, sowie in einer Versicherungsfirma Aktenberge bewältigen und sich um sein Reihenhaus und um seine Familie kümmern.
Auch diese besitzt Superfähigkeiten: Mr. Incredibles Frau gehörte einst selbst als Elastigirl zu den Superhelden, ist aber fünfzehn Jahre später damit vollauf beschäftigt, sich um ihre pubertierende Tochter Violetta und ihren hyperaktiven Sohn Flash zu kümmern, die ihre eigenen Superkräfte – Violetta kann sich unsichtbar machen und sich und andere mit einem Kraftfeld schützen, Flash läuft unvorstellbar schnell – erst noch beherrschen lernen müssen. Nur Baby Jack-Jack scheint ganz normal zu sein, vorerst wenigstens. Klar, dass sich Mr. Incredible nach einer Gelegenheit sehnt, wieder als Superheld aufzutreten.
Dass „Die Unglaublichen“ mit enormem Detailreichtum in der Zeichnung den neuesten Stand der Animationstechnik darstellt, versteht sich von selbst. Doch dies ist bei einem Pixar-Film lediglich Mittel, nie Zweck an sich. Weit größere Aufmerksamkeit wird dem Drehbuch und der ausgefeilten Dramaturgie für Kinder und Erwachsene zugleich geschenkt. Der große Unterschied zwischen Pixar und DreamWorks liegt freilich in dem, was sie sich unter „Animationsfilme für Erwachsene“ vorstellen. Bei DreamWorks bedeutet dies vor allem Parodie, sei es auf klassische Märchen- („Shrek 1“) und Hollywood-Figuren („Shrek 2“) oder aber auf Mafiafilme („Große Haie – kleine Fische“). Dies drückt sich in tierischen Figuren mit den Gesichtszügen bekannter Schauspieler aus. Allerdings verpufft dieser Effekt in der Synchronisierung: Werden die Figuren nicht von den „deutschen Stimmen“ der US-Darsteller besetzt, so läuft das Konzept ins Leere.
Ganz anders die Pixar-Filmen, wie nun „Die Unglaublichen“ erneut unter Beweis stellt: Die Figuren besitzen einen universaleren Charakter. Deshalb lassen sie sich hervorragend „eindeutschen“, ob nun Markus Maria Profitlich „Mr. Incredible“ die Stimme leiht oder weitere Figuren von Kai Pflaume, Barbara Schöneberger und Herbert Feuerstein gesprochen werden.
Mit den fein ausgearbeiteten, mit menschlicher Tiefe ausgestatteten Figuren spricht „Die Unglaublichen“ wie schon „Findet Nemo“ allgemein gültige Fragen an. Handelte „Findet Nemo“ von einem Vater, der aus Liebe zu seinem Sohn seine eigenen Ängste überwindet, so ist „Die Unglaublichen“ wider den ersten Eindruck eigentlich kein Superhelden- sondern eher ein Familienfilm: Erst die gesamte Familie überwindet alle Gefahren im Kampf gegen den Oberschurken. Kommen ein durchgängiger, aber wohl dosierter Humor und eine wirkungsvoll eingesetzte Musik hinzu, dann ist das Ergebnis kaum zu übertreffen...
R: Brad Bird
USA 2003
Laufzeit: 115 Minuten
Gekürzte Fassung mit freundlicher Genehmigung des Verfassers José García www.textezumfilm.de
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